Freitag, 24. Juli 2015

Arbeitslos und keine Idee für einen vernünftigen Titel

Tag 1
Es ist halb acht und niemand will was von mir. Gut, ich muss noch ein Plakat machen und ich könnte aufräumen. Was fehlt ist eine vertragliche Übereinkunft, dass ich gebraucht werde. Kein Büro mit einem Platz für mich, keine Aufgabe die ich für jemanden zu erledigen habe, niemand der sich auf mich verlässt. Ich glaub ich fühle mich alleine gelassen. Arbeitslos ist man ja auch nur tagsüber und eben auch selten zu zweit. Obwohl ich ja eh selten zu zweit bin.
Natürlich gibt es Aufgaben die ich zu erledigen haben will. Die hab ich aber schon aufs Wochenende verschoben. Wie bescheuert ist das denn?

Einkaufen gewesen, das Treppenhaus geputzt, mit der Nachbarin geplaudert, Minimöhrchen und Smoothie to go zum Frühstück und gleich geht’s in die Stadt zum Besorgungen machen und mit einer Freundin zum Mittag treffen. Ich fühle mich wie der gefangene einer Frauenzeitschrift. Dazwischen versuche ich mir nicht so nutzlos vorzukommen und sinnvolle Ideen zu haben die ich umsetzen kann. Die kommen dann aber auch erst ab morgen dran, weil ich ja noch zum Literaturzirkel will und was vorlesen oder vorlesen lassen.

Es ist spät ich bin zu hause und der Tag könnte durchaus als gelungen bezeichnet werden. Fotos gemacht, Literatur gemacht, Freunde getroffen und leckeres Eis gegessen. Und trotzdem, ich fühle mich nur noch die Hälfte von dem, der ich vor ein paar Tagen noch war. Einen Job zu haben ist einfach was Gutes. Es sollte hier eigentlich noch ein Satz kommen, der mich mit der Situation versöhnt, der will sich aber nicht finden lassen. Muss ich das eben Montag machen, Zeit hab ich ja.

Mittwoch, 25. März 2015

Buchmesse 2015/Tag 4/Platz da und Sailor Moon

Aus dem Bett kriechen, an mir zweifeln und Wäsche waschen gehen. Das muss auch mal sein, ich lebe ja nicht ausschließlich auf der Buchmesse, also die letzten vier Tage, also die letzten drei weil der vierte Tag ist ja jetzt, also jetzt im literarischen Sinne des Textes, nicht jetzt jetzt sondern Text jetzt. Und so sicher bin ich mir noch nicht ob ich überhaupt Bock habe.
Natürlich gehe ich doch, weil ich es der Jette versprochen habe. Die verkleidet sich heute als Sailor Mars, was von mir mit der Kamera festgehalten werden soll. Ansagen geht da nicht, schon weil ich tierisch Angst vor Jette habe.
Die Wäsche hängt, weil sie es nicht anders verdient hat. Die Bahn kommt ich auch und zwar an. Die Messe ist gar nicht mal so voll, die Poetry Slammer sind auch toll. Christian und den Eltern von A. Sag ich auch noch schnell guten Tag und dann weiß ich erst mal nicht wohin mit mir.
Der Sonntag ist ja immer der Tag für die Leute die sonst gar nichts zu tun haben oder genau wissen was sie hier wollen. Irgendwo dazwischen bin ich und schlurfe zielstrebig irgendwo hin.
Da komme ich dann auch an und kaufe mir noch ein paar Tombolalose. Damit hatte ich ja gestern schon Erfolg. Weil ich Suchtspieler bin gewinne ich auch ganz tolle Sachen. Die zweite Hälfte von zehn Mangas die sich wohl an der Foto Love Story aus der Bravo orientieren und nur deswegen passen, weil ich schon die erste Hälfte in meinem Besitz habe. Die kommen erst mal in den Schrank und können dort einen guten Eindruck machen. Wenn das nichts wird, werden die in eine Schachtel gepackt. Soll mal einer Sagen ich hätte keine Ideen.
Ein Pokemon gewinne ich dann auch noch, das wird gleich weiter geschenkt. Minischwerter wandern als nächstes in meinen Besitz. Damit kann man nicht kämpfen aber die sehen in einer Vitrine gut aus. Da ich aber keine Vitrine habe, tauschen ich die Dinger gegen die nächsten Lose und gewinne ein Spiel für die PS3. Das kriegt dann Christian.
Zwischen dem Lose kaufen und Gewinne weiter geben suchen wir noch Sailor Moon und ihre Sailor Planetenfreundinnin. Die haben Stempel und stempeln damit eine Stempelkart die einen dazu berechtigt an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Was es da zu gewinnen gibt, kann ich nicht mal buchstabieren und ich gebe mich mit dem Vergnügen der Jagd zufrieden. Man könnte jetzt meinen, dass die Figur einer Trickfilmserie auf einer Buchmesse leicht zu finden sein sollte. Warum auch immer man das meinen sollte, man läge falsch. In der Halle mit den Bilderbüchern mit ganz wenig für Kinder laufen gefühlt die Hälfte aller Menschen so oder so ähnlich herum wie die die wir suchen. Von denen läuft dann ein großer Teil genau so durch die Welt wie die die wir suchen und nur ein davon ist dann auch gemeint. Also mal fünf versteht sich. Bisschen mitmachen muss man da schon.
Mit Instinkten wie ein wildes Tier das voll gute Instinkte hat und der Geduld eines Backblechs haben wir unser Ziel irgendwann erreicht und die Karte zu den anderen geworfen, die nur durch Betrug oder Glück so weit kommen konnten.
Irgendwann treffe ich dann noch Jette in ihrem Sailor Mars Kostüm. Ich selber komme mir langsam deplatziert vor in meiner ordinären Straßenkleidung und werde das Wort auch gleich mal googeln müssen, weil ich gar nicht genau weiß ob das passt.



Ja es passt, ganz gut sogar. Fotos machen fetzt immer wieder und ich merke gar nicht, wie der Tag schon wieder Mittag macht. Der Toni hat ja noch Termine, muss ich mich ermahnen. Ich winke noch mal in die Runde, schnappe mir meine Gewinne für die Schachtel und freue mich über eine leere Bahn und einen Sitzplatz.
Schon nach wenigen Minuten keimt eine Träne im Knopfloch und mir wird klar, dass es jetzt erst mal ein Jahr dauert bis ich wieder auf eine coole Buchmesse kann. Als VIP wäre cool, so mit Spezialticket und Buch in der Tasche dass ich mitbringe. Muss ich mal gucken, so viel Zeit ist da ja nun nicht mehr.

Sonntag, 22. März 2015

Buchmesse Leipzig/Bücher und Menschen, so viele Menschen/Tag 3

The same procedure as gestern und vorgestern. Auf zur Bahn und dann in die Bahn und in die andere Bahn und ganz kuschelig zur Messe fahren. Da bin ich erst mal alleine, zwischen den ganzen Leuten und hocke mich in den arte-Stand. Da wird gleich wieder Poetry geslamt um mich in den Tag zu tragen. Christian kommt ein wenig später und muss stehen. Der frühe Vogel fängt den Sitzwürfel, so einfach ist das.
Christian ist heute nicht alleine. Famile Christian ist extra aus ihrem kleinen Dorf angereist um sich über die neuesten Trends des Verlagswesens zu informieren. Einen Schlachtplan gibt es auch. Den schreib ich mir gleich mit meiner Handykamera ab und fühle mich leicht überrumpelt, als ich 60 Bilder von dem Zettel in meinem Speicher finde. Das sind die ersten Anzeichen. Der Aufstand der Maschinen hat begonnen. Dafür haben wir jetzt aber keine Zeit, wir haben ja einen Plan.
Wolfgang steht da ganz oben, der liest vor und wir wollen zuhören. Vorher besuchen wir aber noch die Anja, Christians Freundin. Die Anett praktiziert nämlich bei einem Verlag und wohnt quasi hier um allen Leuten die schönen Bücher zu zeigen die der Verlag so rumstehen hat. Weil wir einen Plan haben, wissen wir auch genau wo die Anke zu finden ist. Erst mal rein, dann links bis zu den beiden Krabben und weiter gerade aus. Da bedarf es nicht viel um sich zurecht zu finden, wenn da nicht die anderen wären. Nicht alle anderen, das wäre ja Quatsch. Nur die anderen die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Menschen ihre Lebenszeit zu rauben indem sie aus einer Vierspurigen Autobahn eine Spielstraße machen.
Irgendwann finden wir dann die Anna und überlegen schon mal wie die beiden heißen wenn sie heiraten. Seit Antje bei dem Verlag ist, hat sie ja auch einen neuen Namen. Das verrät uns ihr Namensschild und weil die von dem Verlag alle so heißen ist es entweder ein Familienunternehmen oder ein Sekte. Ich bin mir da noch nicht ganz im Klaren drüber, werde das aber bei Gelegenheit mal recherchieren. Einfach mal den Christian fragen ob er zu hause schon irgendwelche Rituale über sich ergehen lassen musste. Gummibärchen anbeten oder so.
Weil wir einen Plan haben müssen wir die Anneliese auch schon wieder allein lassen und teilen uns in Teams auf. Das passiert nach dem Generationenprinzip und Christian, Katharina und ich bilden dabei das junge Team, wobei ich unseren Altersdurchschnitt fast schon wieder ins geriatrische treibe. Die Eltern bilden das nicht so junge Team. Damit können wir uns zu unseren jeweiligen Interessen durchdrängeln. Das ist bei uns immer noch der Wolfgang und beim Team nicht so jung wohl Rheumadecken oder Kalender mit Milchkannen.
Der Weg zum Wolfgang ist verstopft mit allerlei Menschen in der Mitte des Weges und gesäumt von allerlei Verlockungen die uns abhalten wollen. Plüschdrache und Plüschkrokodil gibt es da. Die sind interaktiv. Da wo es hinten raus geht geht es bei denen rein um sie mit der Hand zu einem willigen Spielzeug der eigenen Wünsche zu machen. Handpuppe sagt der Fachmann. Bin ich aber nicht. Daneben in einer schicken Vitrine aufgestapelt sind Puzzle die auf den ersten Blick eine große Version vom Prinzip der Überraschungseier darstellen. Nicht viele Teile und ganz schnell zusammengebastelt. Für einen zweiten Blick bleibt keine Zeit.
Die drei Fragezeichen gibt es auch noch und dazu ein Glücksrad an dem man dreht und eine Frage beantwortet, was gewinnt und dann wieder gehen darf. In welcher Reihenfolge ist jetzt mal ungeklärt. Das begeistert uns natürlich gleich. Da kann uns nur die Warteschlange abhalten die sich bis weit über den Horizont erstreckt. Wolfgang wartet ja auf uns und da bleibt keine Zeit zum rumstehen.
Wenig später wendet sich das Blatt und wir warten auf den Wolfgang. Der kommt nicht so pünktlich wie der Zettel sagt und wir nutzen die Zeit zum Nase putzen. Als Wolfgang dann da ist, geht es auch gleich los und er liest aus seinem neuen Buch, dass gar nicht sein Buch sondern schon mal geschrieben wurde und er es jetzt einfach mal neu geschrieben hatte, weil seine Frau das so wollte.
Unsere nächste Station ist dann wieder mal die Manga Convention. Da lassen wir uns ein wenig durch die Massen tragen und weil sich seit Gestern nicht so viel geändert hat, gibt es auch nur wenige Stationen die ich besuchen möchte. Eine davon lässt ich Lose ziehen und eine rosa Häschenmütze gewinnen. Das Ding landet auch umgehend auf meinem Kopf und ich merke auch gleich, dass die Schwester von Christian die Schwester von Christian ist. Auf den ersten Blick ganz nett als Mensch, wenn man dann aber einer rosa Plüschmütze trägt ist es vorbei mit der Toleranz.
Mit Mütze geht es dann zum Pommesmenschen und wir machen Pause. Ich stopfe mich mit selbstgemachten Frühlingsrollen voll und muss noch mal kurz erläutern, das Hasi nicht mein Name sein wird.
Andrè Herrmann kennen wir ja schon, gucken den aber gleich noch mal an. Das kann man auch so machen weil sich das lohnt. Den Rest des meines Messetages suchen wir nach kostenlosem Naschwerk und Büchern die sich lohnen. Der Sträter hat ja so eines geschrieben und das findet sich dann auch bald im Getümmel und noch baldiger in meinem Regal.
Dolly Buster haben wir dann auch noch gesehen.

Mittwoch, 18. März 2015

Buchmesse 2015 Bücher, Menschen und Menschen die sich verkleiden Tag 2


Es ist früh, es ist Freitag und Bahnhof ist auch noch. Da ist dann auch bald die Jette und gemeinsam machen wir uns auf den Weg die Welt der Bücher zu erkunden. Sitzplatz in der Bahn ist schon mal cool und ganz viele Leute denen ich nicht ins Gesicht gucken kann werden uns beneiden. Das ist mir aber ein bisschen egal, weil es ja früh ist.
Auf der Messe gehen wir erst mal dem Alltag nach und packen uns zum arte Stand um auf die slammenden Poeten zu warten. Die reden schnell und viel und ich könnte mir so viel Text wohl nicht merken, denke ich und weiß schon gar nicht mehr worum es geht. Das sieht man mir zum Glück nicht an und wir machen uns ja auch schon wieder auf den Weg um zu gucken wer uns denn als nächstes unterhalten kann. Da wo gestern noch der kleine Prinz gelesen wurde, kommt heute der Jochen von Blumfeld und ich bin da mal ganz aufgeregt. Der ist ja ein Popstar in meiner Welt und wenn der jetzt gleich von seinem neuen Buch spricht ist das schon ein Event. Vorher dürfen noch Kinder von Büchern reden die sie vorher gelesen haben und eine überforderte Moderatorin versucht eine sachliche Kritik nach der anderen aus den Schülern zu pressen, muss aber auch einsehen, dass man zu einem Bilderbuch nicht unbedingt viele Worte verlieren muss. Zumal der Autor des beschwiegenen Buches auch nicht wirklich mit seinen Antworten glänzen kann.
Der Jochen ist pünktlich und wird auch gleich von einem weiblichen Fan auf heftigste beklatscht. Das findet der wohl gut weil er lächelt, wobei der Jochen eigentlich immer lächelt und dazu nicht mal den Mund braucht. Die Stimme vom Jochen ist so wie sich die Stimme vom Jochen eben anhört. Das findet die Jette auch richtig toll und ich komme mir ein wenig vor wie in einem überlangen Blumfeldsong der nur ab und zu von einer fremden Stimme unterbrochen wird. Zum Schluss darf der Jochen aus seinem Buch lesen, macht das aber nicht. Er sagt es einfach auf. Das ist ganz großes Daumenkino, muss man einfach so sagen.
Es ist wohl so Mittag und wir tauschen große Literatur gegen Comics. Da gibt es wieder viele bunte Leute zu bestaunen die sich hübsche Kostüme gebastelt haben und hier zur Schau tragen. Jette hat das ja auch gemacht, nur eben eine Variante die eher durch schlichte Eleganz auffällt. Die anderen Kostüme sind entweder sehr aufwändig, sehr lustig, sehr unlustig oder sehr nackig. Da ist für jeden was dabei und auch der ältere Messebesucher kann sich mit dieser fremden Kultur anfreunden.
Den Rest des Messetages gucken wir nach nützlichen Dingen die es hier überall zu finden gibt. Für Jette ist es ein Kleid, dass mir viel zu klein wäre. Ich selber entscheide mich für einen lebensgroßen Son Goku der mir vor der Nase davongekauft wird. Natürlich ist er auch der letzte seiner Art und ich überlege mir einen geeigneten Frustkauf. Meine Wahl will zuerst auf einen von diesen coolen Schweißerbrillen fallen, die aussehen als hätte man sie zu seinem dampfgetriebenen Fluggerät getragen. Nur sind zwanzig Euro eben zwanzig Euro und irgendwie viel zu viel für das modische Stück Plastik. Meine Taschen hab ich ohnehin schon mit allerlei kostenlosen Lesemöglichkeiten und Mitbringseln gefüllt. Liegt ja doch nur rum der Kram und wenn ich ehrlich bin, getragen hätte ich das Ding ja doch nicht.
Wieder zu hause werden die Schätze von heute zu den Schätzen von gestern gepackt. Wann ich das alles lesen soll weiß ich bis jetzt noch nicht und bei einigen Fundsachen ist mir auch noch nicht ganz klar warum. Das fällt mir aber auch erst später auf, nur um gleich wieder ignoriert zu werden. Abends hab ich mir dann noch eine von den Schweißerbrillen im Internet bestellt. Keine sieben Euro wollen die haben. Da ist es auch nicht ganz so schlimm, wenn die nur rumliegt.

Montag, 16. März 2015

Buchmesse 2015 (Von Büchern und Menschen) Tag 1

Es ist Donnerstag und ich auch irgendwie. Das Bett hat seine typische Anziehungskraft und ich muss schon ernster mit mir reden um Kissen und Co. Hinter mir zu lassen. Das macht erst mal keinen Sinn, weil ich ja Urlaub habe, wird auf den zweiten Blick aber verständlicher, da ich den Urlaub ja nicht in meinem Nachtlager sondern auf der Buchmesse verbringen will.
Bad besuchen und so weit Mensch wie möglich geht es dann auch los zur Bahn die mich zum Bahnhof bringt. Da wird auf Christian gewartet. Der darf mit und zu weit hat man wenigstens jemanden den man suchen kann wenn sonst nichts los ist.
Wie viele Menschen in eine Bahn rein passen, weiß man immer erst dann wenn man fremde Menschen schmecken kann. Dass dann immer noch einer einsteigen darf, lässt mich vermuten wie viel Nähe die Umstehenden brauchen. Da kann wenigstens keiner umkippen.
Die Fahrt dauert zum Glück nicht so lange wie sie sich anfühlt und wir konnten uns wenigstens schon mal darüber klar werden, dass wir noch keine Ahnung haben was wir denn eigentlich auf der Buchmesse wollen. Der Wunsch nach Buch ist ja schon als Basis vorhanden, nur fehlt es eben noch an Details wie man diesem Wunsch nun konkret in den nächsten Stunden nachkommt.
Einen Rettungsanker haben wir. Zum Beginn eines jeden Buchmessetages gibt es bei den Freunden von Arte die besten Poetryslammer aus Deutschland von denen ich keinen kenne, aber trotzdem aufmerksam zuhöre. Das taugt nicht nur für kurzweilige Unterhaltung, man kann auch an Orientierung gewinnen und damit eine Laufstrecke abstecken die auf dem Papier Sinn macht.
Genaue Reihenfolgen sind ja nur Ballast im Lesefluss und damit werde ich einfach mal grob skizzieren was der erste Tag an Höhepunkten zu bieten hatte.
Glücksrad in der Mangahalle. Christian gewinnt eine Sammelkarte und kann die gegen eine Sammlung Sammelkarten tauschen. Ich gewinne ein Stirnband vom FC Bayern, Buttons, eine DVD und noch was. Christian gewinnt Sammelkarten für Mädchen und dazu den passenden Blechkoffer. Ich freue mich über beides. Zwei Actionfiguren kaufe ich mir und alles was bunt und kostenlos ist kommt auch noch unter den Arm.
Die Tragetaschen von ARD sind die Besten und man wirkt damit auch gleich seriöser.
Ben Stiller liest aus „Der kleine Prinz“ und der Zufall trägt uns dann noch zu Marius Jung und Andrè Herrmann. Vorne weg kommt noch Torsten Sträter und auch wenn der kleiner ist als das Fernsehen mir weiß machen wollte, ist er ein sehr unterhaltsamer Zeitgenosse. Man möchte sagen lustig. Marius Jung schwenkt wischen Anekdoten und Lesetexten hin und her und lässt Rassisten mal eben noch blöder aus dem Eimer gucken als ohnehin schon. Andrè Herrmann ließt aus seinem neuen Buch und als es dann um Victory Micha geht, ist das schon wie einen Klassiker endlich mal live hören. Prädikat Wertvoll.
Zwischen den offensichtlichen Höhepunkten sucht man sich die kleinen Sternstunden des Lebens oder eben der Messe und ich erfreue mich an den zahllosen Schülern die hier sein müssen dürfen, die sich entweder wundern, dass dieses nutzlose Ding Buch so viele Menschen anlocken kann oder schon jetzt genau wissen, wann sie in welches Buch rein lesen wollen.
Christian und ich rangieren ja irgendwo dazwischen und sind schon beeindruckt von dem Mann der neben uns am Tisch sein Salat knuspert. Wir sind schon froh wenn wir es schaffen unseren Faltplan richtig zu lesen, was nicht heißt, dass wir es auch schaffen. Der Mensch hat seine Deluxe-Ausgabe vom Messeführer derart mit kleinen bunten Klebestreifen ausgeschmückt, dass ich ihm schon sagen will, er solle sein Essen doch bitte unterwegs einnehmen soll da er ja augenscheinlich keine Zeit für derlei Pausen hätte. Das lasse ich dann aber doch und attestiere ihm lieber die Fähigkeit die Zeit zu kontrollieren.
Damit ist der erste Tag auf der Buchmesse auch schon vorbei und auf dem Rückweg, kann ich mich in der Bahn noch mal davon überzeugen, dass ich nicht alleine auf der Welt bin. Zu Hause werden dann die neuen Schätze aufgestellt und Kuchen gibt’s auch noch. Da kann ich auch gleich stolz berichten welche Helden meiner späten Jugend ich live sehen konnte. Nur blöd wenn die dann wieder keiner kennt.

Samstag, 4. Oktober 2014

Rücken

Ich denke noch was für ein beschissener Tag und meine damit auch nur die letzten Stunden. Da kann ich das Schicksal noch nicht hören, wie es leise kichert und sagt. „Nene Freundchen, das wird ne ganze Woche.“

Samstag: Der Tag war ein guter Tag. Mit der Mutti durch Leipzig gelaufen und ein Museum von innen angeguckt und einen Zahnbürstenhalter hat sie mir gekauft. Später greife ich noch zu, als mir der Aldi um die Ecke eine Induktionskochplatte anbietet und ich zuschlage weil ich das gut finde. Und da geht es auch schon los. Das einzige was das Ding kann, ist Error anzeigen und mir damit klar machen, dass weder Topf noch Pfanne aus meiner Sammlung mit der modernen Technik kompatibel sind. Ich finde das schon mal kacke, komme aber damit klar. Womit ich mich nicht so recht anfreunden will ist das ziehen im Bein, dass eine rasche Entwicklung gemacht hat und sich jetzt im Rücken austobt und von dort den ganzen Restkörper am Boden hält.


Sonntag: Aua, Aua Aua. „Evolution Fuck off“ denkt mein Körper und wehrt sich erfolgreich gegen den Aufrechten Gang. Aufstehen kann schon mal was länger dauern und auch der Weg in die Küche ist unter zwei Minuten nicht mehr zu schaffen. Das grenzt die Auswahl an sinnvollen Aktivitäten ein und irgendwann finde ich mich auf einer Internetseite wieder die Gehstöcke in allen Farben und Formen anbieten. Ich sehe mich schon als der neue Dr. House, wie ich schlecht gelaunt mit meinem Stock durch die Flure stöckel.


Montag: Immer noch Aua und da ich nicht wirklich Dr. House bin, geh ich zu einem richtigen Mediziner und von dem gibt es dann tolle Schmerzmittel damit ich schon bald wieder fröhlich hüpfen kann. Mit Fröhlich wird das zwar noch nicht gleich was, aber ich habe schon mal eine neue Beschäftigung gefunden. Neben mir selbst leid tun, gucke ich Game of Thrones und komme zu dem Schluss, dass der Autor der die Bücher zu dieser Serie schreibt ein wirklich böser Mensch ist. Kaum kommt mal einer und löst ein Problem damit endlich auch mal was gut läuft, dreht sich das Ganze und der Gute ist tot. Einfach so und immer wieder. Die Bösen finden sich dann wieder klasse und der Rest rennt verwirrt durch die Gegend um langsam aber sicher den eigenen Verstand gegen blöd sein zu tauschen.

Dienstag: Ich gucke weiter Game of Thrones und mache meine ersten Schritte ohne wie der Buchstabe Gamma auszusehen. Der Höhepunkt des Tages sind 60 Comics die ich auf Ebay ersteigert habe und das Nachbarkind, dass Kekse vorbei bringt.

Mittwoch: Ich habe Hunger und bin Abenteuerlustig. Da ich schon ganz toll laufen kann, werfe ich mich jetzt auch schon mal auf mein Fahrrad und fahre zu einem Supermarkt. Die Idee finde ich schon nach ein paar hundert Metern nicht mehr so gut, halte aber durch und komme auch an wo ich hin wollte. Rein gehen geht auch noch und schon entdecke ich eine neue Seite meines Leidens. Leute können auf einmal ganz schlimm nerven. Da ich gerne einen Wagen als Rolatorersatz hätte, wollte ich mir einen nehmen wie gewohnt und versuche den Euro da rein zu stopfen wo er rein gestopft gehört. Das klappt aber nicht. Enttäuscht schaue ich mich um und sehe auch schon eine nette ältere Dame mit einem von den Wagen, die keinen Stopfeuro brauchen um bewegt zu werden auf mich zu kommen. Die muss nur noch ihren Wageninhalt in ihren Beutel packen und ich bin gerettet. Da passiert was passieren musste. Die blöde Kuh vergleicht alles mit ihrem Scheiß Kassenzettel. Hingehen, anbrüllen und wegschicken kommt mir gleich in den Sinn. Ich überlege kurz wie sie auf meine Kritik reagieren würde und glaube einfach nicht an einen erzieherischen Effekt. Ich warte auf den nächsten Wagen und sehe mich einfach mal als Sieger dieser Schlacht.

Donnerstag: Ich voll mit Tatendrang und schmutziger Wäsche. Die Wäsche ist natürlich nicht in mir sondern in den Taschen die ich auf dem Rücken und in der Hand halte und damit mache ich mich auf zum Waschsalon. Mein Laufen hat zwar einiges an meiner sonst so jugendlichen Dynamik eingebüßt und macht auch optisch nicht viel her, reicht aber trotzdem um ans Ziel zu kommen. Da sehe ich auch gleich was ganz neues. Geschlossen. Ein Schild und auf dem steht, dass ich heute keine Wäsche waschen kann. So ein freches kleines Viereckiges. So ein Arrogantes Arschlochschild, dass dir sagt du darfst heute nicht rein Das war noch nie. Noch niemals nie. Ich glaube kurz an eine höhere Macht die Pläne mit mir hat und schlurfe zurück nach Hause.

Später gehe ich noch zu Poco und kaufe mir zwei Plastikkisten in die ich Kram packen kann, den ich vorher aus einer anderen Plastikkiste geräumt habe. Das macht schon Sinn, wenn man die Details kennt.

Freitag: Ich gehe Wäsche waschen, ich gehe einkaufen, ich gehe wieder nach Hause. Das läuft noch nicht so schnell wie ich es will und trotzdem bin ich schon mal ganz glücklich damit. Der Rest vom Freitag sind dann Kekse und zwei Folgen Supernatural.

Samstag: Das Wetter fetzt und ich weiß nicht was ich gucken soll. Ich finde eine neue Batmanserie wo der dunkle Ritter gegen ein Schwein und einen Frosch kämpfen muss. Daran muss ich ich erst mal gewöhnen. Zum Mittag gibt’s Würstchen mit Schmerztablette. Das schmeckt nicht viel anders als Würstchen ohne Schmerztablette macht mich dann aber ein wenig lala. Nicht gleich, erst als ich ich auf ein Fahrrad schwinge und in die Stadt will, um mir eine Gymnastikmatte zu kaufen.
Ich fühle mich wie Pipi Langstrumpf die auf einem halben Fahrrad durch die Gegend schwebt, während ein anderer Teil von mir im Park Blümchen pflückt und der Rest hockt auf der Couch und guckt auf den Fernseher, der nicht eingeschaltet ist und in einem anderen Zimmer steht.
Da ich nun mal bin wie ich bin, gucke ich vor der Gymnastikmatte noch schnell bei Woolworth rein. Bisschen Geld sparen und so. Fünfzehn Minuten später komme ich wieder raus und habe nur das nötigste gekauft. Ein gesundes Kopfkissen, eine Actionfigur von einem halbnackten, maskierten Mexikaner mit Leiter, zwölf mal Trinkschokolade am Stiel, ein Rätselbuch, eine Fruit Ninja Figur und eine Löschdecke. Ein kleiner Abstecher zur CD Abteilung von Müller noch und ich habe eine tolle Matte zum Sport machen in der Hand und die war auch noch im Angebot. Da soll mal ein sagen, ich könne nicht mit Geld umgehen.

Sonntag, 20. Juli 2014

With Full Force oder ein sehr betrunkenes, sehr tätowiertes Ferienlager

Es ist früh und ich natürlich schon wach. Das ist in meinem Alter eben so und das wird sich auch in den nächsten Tagen nicht ändern. Dafür sorgen stickige Campingluft, ein verschwitzter Schafsack und die Sonne, die sich von einem Zelt einfach nicht aufhalten lassen will.
Bevor das alles genossen werden kann muss es aber erst mal los gehen. Das dauert noch bis elf und damit mir nicht langweilig wird, kehre ich den Hof. Das ist Metal Ihr Lappen.
Irgendwann mach ich mich dann doch mal auf den Weg und schleppe mich samt Rucksack und kleinem Rucksack zur Bahn. Die bringt mich zu den Anderen, damit wir als Gruppe ans Ziel kommen. Das ist nämlich wichtig, weil wir ja nicht zum Spaß zur Musik fahren, sondern wegen der Promotion. Unsere Aufgabe soll es denn sein, den Musikern und anderen Backstagebewohnern die Instrumente mit unseren schönen und handgemachten Stickern zu verzieren. Ob sie wollen oder nicht.
Wir sind Clodi, Püppi, Tine und Daniel und ich. Nur Daniel heißt dann auch wirklich so, die Mädchen haben sich mit Decknamen belegt. Weil man das jetzt so macht. Ich nenne nur mich selber Ich, weil das so in Ordnung geht.
Pünktlich wie ich nun mal bin, bin ich pünktlich und zuerst wird auch mein Handgepäck kritisiert. Damit bin ich nicht alleine und ich weiß auch bald warum. Wie das Zeug das gerade eben noch einen ganzen Hausflur verstopft in zwei Autos mit fünf Menschen Platz finden soll ist noch nicht ganz klar und auch jetzt wo wir das ganze Zeug hin und zurück bekommen haben, weiß ich immer noch nicht wie wir das geschafft haben. Ich denke es hat was mit schwarzen Löchern und Tetris zu tun. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen.
Auf jeden Fall kommen wir irgendwann an und laden aus, bauen auf und sind dann eben da. Der erste Tag ist dabei noch nicht so spannend. Da sind eben viele Leute die man noch nicht kennt und man guckt halt mal wo die Toiletten sind. Und wir machen Selfies. Das macht man jetzt auch so, das geht schon in Ordnung sagt Püppi. Und warum sagt sie das? Weil sie es kann.

Der zweite Tag lässt nicht lange auf sich warten. Die Sonne prasselt durch das Zeltdach und die Luft ist klebrig. Ich geh erst mal duschen und finde das jetzt nicht wirklich Metal, kann aber ganz gut damit leben. Nach ca. zwei Ewigkeiten und ein bisschen geht es dann zum Frühstück. Eier, Speck und kleine Würstchen sind gute Freunde und helfen über den restlichen Tag. Der bleibt nämlich bis ganz spät abends und macht nicht nur warm sondern auch Arbeit.
Es dauert nicht lange und die ersten Leute werden auf uns aufmerksam. Da wird erst gefragt und geguckt und dann wird sich entschieden und gewünscht. Ganz groß dabei ist die Crew von Volbeat. Die lassen sich ihre Cases und Laster bekleben, als gäbe es kein Morgen mehr. Weil das nicht immer so einfach ist muss man auch mal zu Hilfsmitteln greifen.

„Do we have a Hairdryer?“
Peter über Funk zu seinen Kollegen.

„I dont think so.“
Kommt es ein verwirrt zurück.

Ja wir haben gelacht. Den Föhn konnten wir uns dann von der Freundin vom Sänger borgen und zum Dank gab es dann ein Tour-Shirt für jeden. So macht das natürlich Spaß.
Was auch Spaß macht, ist neben der Arbeit zur Bühne schlendern und gucken was denn da so passiert. Da gehen nämlich die Bands drauf zum singen und musizieren. Damit erheitern sie dann das Publikum, das gerne mal Applaus spendet um zu zeigen, wie sehr es ihnen gefallen hat. Volbeat haben die Bude natürlich in Brand gesetzt und wer gucken wollte, wo ganz hinten war, brauchte schon gute Augen.

Tag zwei war dann wieder klebrig und duschen und Frühstück und warm und viele Leute die sich bekleben lassen wollten. Ganz großer Highlight natürlich, pinke Pimmel. Von denen konnten wir einige unter die Leute bringen und das war nicht unsere Idee.
Einen Rasensprenger gab es dann auch noch. Der machte Sumpf vor unserer Tür und gepaart mit Hängematte das war schon schön. Die Fische die Püppi bestellt hatte kamen dann doch nicht und ich muss schon sagen, ich war ein wenig verbittert. Gut angekommen dagegen ist Tine,die sich mit dem Regenmacherdingsi anfreundete und im Bikini durch die Wassertropfen hopste. Wäre da ein Button gewesen, hätte ich das auch geliked (Schreibt man das so, schreibt man das überhaupt?).
Ich schlurfe dann irgendwann mal zu Ignite rüber und kann die nur cool finden. Geile Band mit geilem Sänger. Viel Rummel machen die zwar nicht das haben die aber auch nicht nötig.
Von Rob Zombie bekomme ich dann nicht mehr so viel mit, sehe aber noch den Song den ich sehen wollte und bin dann ganz glücklich. Clodi hopst gleich nach dem Auftritt zum Gitarristen um ihn mit sich zu zerren, der will aber nicht. Der kommt auch sonst keine fünf Meter ohne sich mit einem Fan knipsen lassen zu müssen. Der Typ ist aber auch voll Bude nett und freut sich über jedes Bild.

Am Sonntag hat man sich schon an alles gewöhnt und was Vorgestern noch anders war ist jetzt Alltag und Routine. Ich kaufe mir einen schönen Hut und zeige der Sonne damit, wer hier was auf hat.
Die Kugel schiebt sich heute auch ein wenig ruhiger bis ich mir Dillinger Escape Plan angucke. Die zelebrieren eine schicken Abriss bei dem selbst der Circlepit nicht mitkommt.
Architects spielen auch.
Sepultura guck ich bis zum Schluss weil sich das so gehört und der Frontbär auch ganz cool ist.
Dass Motörhead natürlich der Hammer sind sollte klar sein und wer jetzt nicht weiß wer Motörhead ist, hätte schon bei der Überschrift nicht weiterlesen sollen.

Der Montag geht dann eine Stunde früher los und ich kann mein Talent, Dinge ganz klein zusammen zu rollen, unter Beweis stellen und schneller als gedacht sind wir auch wieder auf dem Weg zum eigenen Klo und einem Bett, dass nicht zum Aufpusten ist.
Noch so ein Phänomen. Püpi und Tine haben eine Luftmatratze in ihrem Zeltabteil die ungefähr so groß war wie das ganze Zelt an sich. In Höhe, Breite und Tiefe. Da hab ich schon blöd geguckt, mir wurde dann aber auch klar, wie wir den ganzen Kram in die Autos kriegen konnten. Dunkle Mächte sind da am Werk.

Das Ferienlager ist vorbei und wie das so ist hat man alles mitgemacht. Da waren die Duschen die immer früh noch leer waren und später ein Saustall. Da gab es das Frühstück mit eigentlich Allem aber auch das Glücksgefühl wenn man den einen Babybell abbekommen hat der die Käseplatte dekorierte. Da waren die immer weniger fremden Menschen die man dann jeden Tag sah und die lustigen Typen mit denen man immer gerne mal gequatscht hat. Da waren die, die sich gekümmert haben und schnell noch das eine oder andere besorgen konnten. Und die Bands, da waren ganz viele Bands.
Noch ein letztes Husten aus der neu zugelegten Staublunge und ein Blick auf die Bühne die schon bald nicht mehr da steht wo sie hingehört und dann sind wir auch weg.